#zukunftsort_vhs in NRW: Stark. Vor Ort. Für alle.
Arbeitsprogramm des Landesverbandes der Volkshochschulen von NRW 2026 – 2029
Das Weiterbildungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen konstituiert die Volkshochschulen als integralen Bestandteil des Bildungswesens in verpflichtender Trägerschaft der Kommunen von NRW. Während das Land die Volkshochschulen mit finanziellen Zuweisungen für pädagogisches Personal und Projektförderung in der Wahrnehmung ihres gesetzlichen Auftrags unterstützt, verpflichtet das Gesetz die Volkshochschulen in NRW, das individuelle Recht auf lebenslanges Lernen einzulösen, indem sie „die Entfaltung der Persönlichkeit fördern, die Fähigkeit zur Mitgestaltung des demokratischen Gemeinwesens stärken und die Anforderungen der Arbeitswelt bewältigen helfen“.
Die Volkshochschulen in NRW erfüllen ihren gesetzlichen Auftrag auf der Basis ihres gemeinsamen Selbstverständnisses. Sie sehen ihren gesellschaftlichen Auftrag in der Stärkung von Chancengerechtigkeit, Teilhabefähigkeit und Demokratie. Sie entwickeln ihr Angebot fortwährend weiter, indem sie gesellschaftliche Entwicklungen verfolgen und Bildungsbedarfe aufgreifen, die sich daraus ergeben, damit Menschen Veränderungen besser bewältigen und individuell Anschluss halten können.
Volkshochschulen sind Einrichtungen des lebensbegleitenden Lernens für alle Menschen – ungeachtet ihrer Herkunft, ihrer Bildungsvoraussetzungen und ihrer Identität. Im Sinne des humanistischen Bildungsbegriffs unterstützen Volkshochschulen sie darin, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, persönliche Handlungsspielräume zu erweitern, kritische Urteilsfähigkeit zu schärfen und Souveränität zu gewinnen. Die Volkshochschulen in NRW sind Einrichtungen sowohl formaler als auch non-formaler Lernprozesse in diskriminierungsfreier sozialer Interaktion.
Volkshochschulen begreifen gesellschaftliche Veränderungen auch als Herausforderung für die eigene Organisation und richten ihre Arbeitsstrukturen darauf aus. Damit Volkshochschulen als kommunale Weiterbildungszentren am Puls der Zeit bleiben, unterstützt der Landesverband Change-Management als strategische Aufgabe von hoher Priorität.
Den Bildungsauftrag und das Bildungsverständnis der Volkshochschulen ergänzt der Landesverband um ein gemeinsames Arbeitsprogramm für die laufende Wahlperiode der Gremien. Es definiert und akzentuiert Handlungsfelder auf Basis aktueller und absehbarer Entwicklungen. Der Landesverband der Volkshochschulen von NRW betrachtet das Arbeitsprogramm als handlungsleitend für die Arbeit der Einrichtungen, der verbandlichen Gremien und der Landesgeschäftsstelle des Verbandes mit ihren Projekten und Fachreferaten.
Das Arbeitsprogramm der Wahlperiode 2026 – 2029 unterscheidet drei Ebenen:
- Damit Volkshochschulen STARK sein können, braucht es gute und verlässliche Rahmenbedingungen.
- VOR ORT gehen die Volkshochschulen neue Wege, um die Menschen und den sozialen Zusammenhalt gleichermaßen zu stärken.
- Gemeinsam und in Vielfalt den Herausforderungen der Zukunft begegnen. Das meint Bildung FÜR ALLE.
1. Gute Rahmenbedingungen machen Volkshochschulen STARK
Lebensbegleitendes Lernen gewinnt in Folge gesellschaftlicher Umbrüche wie dem d
Lebensbegleitendes Lernen gewinnt in Folge gesellschaftlicher Umbrüche weiter an Bedeutung. Fortwährende Veränderungsprozesse in Alltag und Beruf stellen neue Anforderungen. Um diese Anforderungen zu bewältigen, brauchen Menschen einen niederschwelligen Zugang zu einem breiten, bedarfsgerechten und innovativen/zukunftsorientierten Programmangebot und zu lokalen Lernräumen mit zeitgemäßer Infrastruktur. Um die Volkshochschulen als kommunale Weiterbildungszentren zu stärken, bedarf es einer angemessenen finanziellen, personellen, räumlichen und technischen Ausstattung sowie klarer rechtlicher Rahmenbedingungen. Die Volkshochschulen verstehen sich als lernende Organisationen und berücksichtigen die Auswirkungen globaler und gesellschaftlicher Veränderungen auf die eigene Organisation und die eigenen Arbeitsprozesse. Der Landesverband unterstützt sie in ihrer Organisationsentwicklung und in der politischen Interessenvertretung vor Ort und auf Landesebene, indem er die Leistungsfähigkeit der Volkshochschulen herausstellt und ihre Unterstützungsbedarfe benennt.
igitalen Wandel weiter an Bedeutung. Durch die Veränderung von Bildungs- und Erwerbsbiographien erweitern und differenzieren sich die Anforderungen der Menschen an ein breites wie bedarfsorientiertes Programmangebot sowie an lokale Lernräume mit zeitgemäßer Infrastruktur. Um die Volkshochschulen als kommunale Weiterbildungszentren zu stärken, bedarf es einer angemessenen Grundförderung und Ausstattung sowie unterstützender Organisationsentwicklungs- und Infrastrukturmaßnahmen.
- Gemäß des Gebots gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz NRW müssen die Bildungsangebote der Volkshochschulen allen Menschen zugänglich sein. Im Sinne einer fairen finanziellen Lastenteilung zwischen Land und Kommunen setzt sich der Landesverband gegenüber dem Land NRW für eine angemessene und verlässliche Grundfinanzierung des pädagogischen Personals ein. Um ein vielseitiges, zeitgemäßes und qualitativ hochwertiges Programmangebot dauerhaft zu gewährleisten und zusätzliche finanzielle Belastungen für kommunale Träger und für Teilnehmende zu vermeiden, bedarf es der jährlichen Dynamisierung der Landesförderung.
- Der Landesverband setzt sich im Dialog mit der Landesregierung und auch mit den Volkshochschulen dafür ein, die Förderinstrumente des Weiterbildungsgesetzes praxisgerecht anzuwenden, um die Entwicklung der kommunalen Weiterbildungseinrichtungen, die Erprobung innovativer Ansätze die Vernetzung in regionalen Bildungslandschaften zu unterstützen.
- Der Landesverband wirbt im politischen Raum dafür, Volkshochschulen in Förderprogrammen zu berücksichtigen und unterstützt die Volkshochschulen in ihrer Projektfähigkeit und bei der Drittmittelakquise.
- Die gegenseitige Beratung, Verbreitung guter Praxis und gemeinsame Arbeit an strategischen Organisationsentwicklungsprozessen in den Volkshochschulen ist ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit.
- Der Landesverband unterstützt die Volkshochschulen dabei, attraktive Arbeits- und Wirkungsorte zu bleiben, Fachkräfte zu gewinnen, zu qualifizieren und zu halten.
- Der Landesverband bestärkt die Volkshochschulen darin, ihre politische Unabhängigkeit und ihr Recht auf freie Programmgestaltung zu wahren und sich parteipolitischer Einflussnahme zu widersetzen.
- Volkshochschulen sind nicht nur Lernorte, sondern auch Zentren der Begegnung und des Dialogs. Sie bieten offene, attraktive Räume für die persönliche Fortentwicklung, das kreative Arbeiten in Gruppen und gesellschaftliche Diskurse in Stadt und Land. Der Landesverband entwickelt Konzepte für kommunale Lernräume der Zukunft und fordert die Unterstützung der Kommunen und des Landes ein.
- Lernräume der Zukunft haben auch eine digitale Dimension. Der Landesverband treibt die digitale Entwicklung in den Volkshochschulen weiter voran und setzt sich gegenüber Land und Kommunen für den Ausbau einer nachhaltigen digitalen Infrastruktur ein, die auch qualifiziertes Personal für digitale Bildung und technischen Support umfasst.
- Der Landesverband fordert die rechtliche Absicherung einer freien und flexiblen Programmgestaltung mit freiberuflichen Dozent*innen. Gleichzeitig macht sich der Landesverband für eine finanzielle Ausstattung der Weiterbildung stark, die faire Honorare, eine angemessene soziale Absicherung der Honorarkräfte und Festanstellungen in stark regulierten, dauerhaften Kursformaten ermöglicht.
2. Volkshochschulen richten ihr Wirken VOR ORT neu aus
Weiterbildung ist in NRW integraler Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge. Als programmatisch souveräner Teil der kommunalen Selbstverwaltung verstehen sich Volkshochschulen als Bildungspartnerinnen ihrer Kommunen. Innerhalb kommunaler Entwicklungsstrategien lenken Volkshochschulen den Blick auf inhärente Bildungsaspekte und zeigen ihre Potenziale für eine erfolgreiche Umsetzung auf. Volkshochschulen fühlen sich der Stärkung des kommunalen Gemeinwesens und der vor Ort lebenden Menschen verpflichtet und richten ihr Wirken darauf aus. Die Landesgeschäftsstelle unterstützt sie darin durch Vernetzung auf verbandlicher Ebene – insbesondere mit den kommunalen Spitzenverbänden – und durch inhaltliche Zuarbeit der Fachreferate. Der Landesverband und seine Gremien bieten den Rahmen für einen systematischen Praxisaustausch und leisten Unterstützung bei der Akquise von Projektmitteln.
- Mit ihrer starken Verankerung innerhalb der Kommune, vielfältigen Kontakten innerhalb der kommunalen Verwaltungen und zu kommunalen Betrieben, zu übergeordneten Behörden, lokalen Betrieben und in die Zivilgesellschaft bieten sich die Volkshochschulen als zentrale Akteurinnen in vernetzten Handlungsfeldern an – sei es im kommunalen Integrationsmanagement, in kommunalen Nachhaltigkeitsstrategien oder in Strategien der kommunalen Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsförderung. Die Volkshochschulen fungieren auch als verlässliche Bildungsdienstleisterinnen innerhalb der Kommunalstruktur. Der Landesverband unterstützt sie dabei.
- Die Volkshochschulen stärken den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie vor Ort. Sie wirken gesellschaftlicher Spaltung und individueller Isolation entgegen, indem sie Räume schaffen, wo sich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen begegnen und austauschen können, und wo gesellschaftliche Vielfalt als Bereicherung erlebbar wird. Lokale Meinungs- und Willensbildungsprozesse unterstützen Volkshochschulen und verhelfen Menschen dazu, ihre demokratischen Mitwirkungsrechte wahrzunehmen. Im Verband entwickeln sie gute Praxis und stärken sich in dieser Rolle.
- Um noch mehr Menschen den Zugang zu Weiterbildung zu erleichtern, wirken die Volkshochschulen verstärkt über ihre Einrichtungen hinaus. Für ihre aufsuchende Arbeit nutzen sie die Bandbreite sozialräumlicher Infrastruktur und vernetzen sich innerhalb lokaler und regionaler Bildungslandschaften weiter mit anderen Akteur*innen, insbesondere auch ehrenamtlich Engagierten und Initiativen vor Ort. Der Landesverband stärkt diese Ausrichtung.
- Die Volkshochschulen und ihr Verband nehmen verstärkt Menschen und gesellschaftliche Gruppen in den Blick, die bisher kaum oder gar nicht in der Volkshochschule anzutreffen sind und versuchen, mit ihnen gemeinsam ihr Weiterbildungsangebot weiter bedarfsgerecht zu diversifizieren.
- Mit Unterstützung der Landesgeschäftsstelle beteiligen sich Volkshochschulen an landes- und bundesweiten Marketing-Aktionen und Kampagnen, um ihre öffentliche Sichtbarkeit vor Ort zu erhöhen und mehr Menschen für Weiterbildung zu interessieren und zu gewinnen.
- Eine abgestimmte und konsistente Kommunikation von Volkshochschulen und Landesgeschäftsstelle ist das Ziel in der Öffentlichkeitsarbeit. Hierfür werden diverse mediale Verbreitungswege Der Landesverband unterstützt die Volkshochschulen dabei, ihr Marketing und ihre Öffentlichkeitsarbeit auszubauen und zu professionalisieren.
3. Volkshochschule eröffnet Zukunftschancen FÜR ALLE
Das Weiterbildungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen benennt eine Reihe von Themen als Aufgabenfeldern für die Weiterbildung, darunter auch die klassischen Programmbereiche der Volkshochschulen. Gleichzeitig hat das Gesetz darüber hinaus in gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen neue Handlungsfelder für die Weiterbildung identifiziert. Der Katalog an Pflichtaufgaben umfasst somit ausdrücklich Bildungsfelder, die darauf ausgerichtet sind, den Zugang zu lebensbegleitendem Lernen zu erleichtern, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Teilhabefähigkeit zu fördern und individuelle Handlungsspielräume zu erweitern. In seinem Arbeitsprogramm richtet der Verband der Volkshochschulen von NRW sein besonderes Augenmerk fachbereichsübergreifend auf Zukunftsthemen von besonderer Dynamik und Dringlichkeit. Denn gerade in diesen Themenfeldern ist Weiterbildung besonders gefordert, damit Menschen den Anschluss halten, Ängste überwinden und ihre Urteils- und Handlungsfähigkeit sowie ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber antidemokratischer Vereinnahmung stärken können. Für überfachliche Zukunftsthemen suchen die Volkshochschulen und ihr Landesverband deshalb in unterschiedlichen Programmbereichen nach geeigneten Anknüpfungspunkten.
- Der Landesverband verfolgt Demokratiebildung als besondere Priorität mit dem Ziel, den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort und darüber hinaus zu stärken. Die Volkshochschulen öffnen Räume für den kontroversen Diskurs, um freien Meinungsaustausch zu ermöglichen. Themen multiperspektivisch und diskriminierungsfrei zu behandeln, trainiert die Fähigkeit zur respektvollen Debatte und zum Interessenausgleich. Mit Angeboten zur Begegnung, zum Dialog und zum gemeinschaftlichen Lernen wirken die Volkshochschulen einer sich verbreitenden Einsamkeit und damit verbundenen gesundheitlichen und politischen Risiken entgegen.
- Die Volkshochschulen tragen der zunehmenden Diversität und dem demographischen Wandel in der Gesellschaft auch im Verband Rechnung. „Bildung für alle“ bedeutet für sie, Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Identität, unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen und unterschiedlichen Lebenslagen in der Programmgestaltung zu berücksichtigen, um (Bildungs-)Benachteiligungen abzubauen und Chancengerechtigkeit zu fördern.
- Volkshochschulen verstehen gesellschaftlichen Zusammenhalt inklusiv und betrachten das Recht auf Bildung und Teilhabe als universelles Recht für alle Menschen, die hier leben und Teil unseres (kommunalen) Gemeinwesens sind. Volkshochschulen und ihr Verband setzen sich für gesellschaftliche Integration Zugewanderter ein und fordern dafür verlässliche Rahmenbedingungen und eine auskömmliche Finanzierung ein.
- Volkshochschulen betrachten die Qualifizierung von Fachkräften als zentralen Bildungsauftrag. Mit Beratung, einem freien fachlichen und überfachlichen Kursangebot sowie Auftragsmaßnahmen unterstützen sie Menschen in jeder Phase ihrer Berufsbiographie darin, Kenntnisse zu erweitern oder zu vertiefen. Der Landesverband nutzt geeignete Anknüpfungspunkte, um Volkshochschulen im politischen Raum als Akteure der beruflichen Bildung zu positionieren.
- Volkshochschulen stärken individuelle Resilienz in einem ganzheitlichen Sinne, indem sie Menschen in verschiedenen Kompetenzen stärken. Dies macht sie individuell widerstandsfähiger im Umgang mit persönlichen Umbruchsituationen und stärkt sie im Umgang mit gesellschaftlichen Krisen und kollektiven Katastrophen. Der Landesverband stärkt diese Ausrichtung.
- Volkshochschulen verfolgen als gemeinsames Ziel im Landesverband die Stärkung der Bildung für nachhaltige Entwicklung im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN. So können Menschen Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben, um eigene Lebensgewohnheiten nachhaltig und generationengerecht auszurichten.
- Gerade die Weiterbildung eröffnet Menschen die Möglichkeit, Schritt zu halten mit technologischen Entwicklungen, die das Alltagsleben verändern. Die Digitalisierung und insbesondere die Verbreitung von Anwendungen der Künstliche Intelligenz sind daher ein zentrales Bildungsthema. Volkshochschulen behandeln im Themenfeld der Digitalisierung praktische Anwendungsfragen und stärken gleichzeitig (digitale) Informations- und Medienkompetenz.