Ministerin Brandes kündigt höhere Landeszuweisung an

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Weiterbildungskonferenz im Landtag von NRW behandelt „Weiterbildung für alle“

Weiterbildungskonferenz im NRW-Landtag (v.l.): Professor Dr. Michael Schemmann (Universität zu Köln), Landtagsvizepräsident Rainer Schmeltzer, Ministerin Ina Brandes, Celia Sokolowsky und Antje Rösener (Sprecherinnen des Gesprächskreises für Landesorganisationen der Weiterbildung), Professor Dr. Hannes Schröter (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung). Foto: vhs-Landesverband

Die Landesregierung NRW will ihre Zuweisung an die gemeinwohlorientierte Weiterbildung im kommenden Jahr um zwei Prozent erhöhen. Diese Ankündigung von Ministerin Ina Brandes war für viele Teilnehmende der diesjährigen Weiterbildungskonferenz im Düsseldorfer Landtag sicherlich die Top-Nachricht des Tages. Im Zuge der Novelle des Landesweiterbildungsgesetzes hatte sich der NRW-Landtag im Jahr 2022 darauf verständigt, die Landesmittel für pädagogisches Personal in der Weiterbildung jährlich um zwei Prozent zu erhöhen, um unter anderem Tarifsteigerungen auszugleichen. Doch stattdessen gab es 2025 nur noch ein Prozent plus. Für 2026 fiel die Erhöhung ganz aus – mit der Folge, dass im Falle der Volkshochschulen die klammen Kommunen selbst für den Anstieg der Personalkosten aufkommen mussten.

Die Dynamisierung auszusetzen, sei eine schmerzhafte Entscheidung gewesen, erklärte die Ministerin für Kultur und Wissenschaft. Schmerzhaft deshalb, weil die Landesregierung gleichwohl strukturellen Schaden habe vermeiden wollen. Nun habe man entschieden, die Dynamisierung wieder fortzusetzen, denn es sei gerade jetzt wichtig, ein Signal der Unterstützung zu senden.

Gesellschaftliche Teilhabe fördern

„Weiterbildung schafft Freiheit.“ Mit diesen Worten eröffnete Landtagsvizepräsident Rainer Schmeltzer die 27. Weiterbildungskonferenz. Er nahm damit Bezug auf den Geist des Weiterbildungsgesetzes, das in NRW jedem Menschen das Recht einräumt, lebenslang neue Kenntnisse und Qualifikationen zu erwerben, sei es persönlich oder beruflich motiviert.

Daraus resultiert der universelle Anspruch, der auch für die Volkshochschulen konstituierend ist, nämlich Weiterbildung für alle anzubieten. Aber geht das überhaupt und wenn ja, wie? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Weiterbildungskonferenz, der am Vormittag eine Anhörung im Wissenschaftsausschuss des Landtags voranging. Auch die Fachpolitiker*innen wollten noch besser verstehen, welche Rolle die Weiterbildung als Teil des gesamten Bildungssystems spielt und wie die Politik sie darin wirksam unterstützen kann.

Die Vorstandsvorsitzende des vhs-Landesverbands, Celia Sokolowsky, bezeichnete es als eine Hauptaufgabe der Bildungspolitik, die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen in Risikolagen zu fördern, damit sie Anschluss halten können. Die Weiterbildung verfüge bereits über entsprechende Zugänge, beispielsweise durch das Angebot des Zweiten Bildungswegs. Dass eine breite Weiterbildungsbeteiligung entscheidend davon abhängt, finanzielle Zugangshürden zu vermeiden, wurde in der Anhörung sehr deutlich.

Wie divers müssen Volkshochschulen aufgestellt sein, um unterschiedliche Bevölkerungsgruppen wirksam zu adressieren? Celia Sokolowsky verwies darauf, dass Volkshochschulen Diversität längst als ein zentrales Thema ihrer Organisationsentwicklung erkannt haben. Dieser Prozess werde vielfach sehr gut durch vielfältige Kooperationen unterstützt, die Zugänge zu unterschiedlichen Sozialräumen und Lebenswelten eröffneten.

Förderprogramme für Weiterbildung öffnen

Die Weiterbildung schätzt die Förderinstrumente, die das Land mit der Gesetzesnovelle eingeführt hat. Doch viele Träger wünschen sich neben dem Fokus auf Innovation ein stärkeres Augenmerk auf Verstetigung, um bewährte Formate besser etablieren zu können. Hinsichtlich der Qualifizierung des Weiterbildungspersonals sprachen die Sachverständigen im Ausschuss von einer Förderlücke. Hinzu kommt: Überfachliche Aufgabenfelder wie Netzwerkarbeit sind zeitaufwändig, die dafür nötigen personellen Ressourcen über die Landeszuweisung nicht abgedeckt.

Und so lautete ein Appell an die Landespolitik, man möge bestehende oder geplante Förderprogramme zukünftig stärker auch für die Weiterbildung öffnen. Celia Sokolowsky verwies in diesem Zusammenhang besonders auf den baulichen Sanierungsstau in vielen Volkshochschulen. vhs-Gebäude seien vielfach nicht barrierefrei, energetisch nicht effizient und nicht auf Hitzeschutz ausgerichtet.

Gastgeber der eigentlichen Weiterbildungskonferenz am Nachmittag war der Gesprächskreis der Landesorganisationen der Weiterbildung in NRW. Auf dessen Einladung referierte Professor Dr. Michael Schemmann von der Uni Köln über Grundlagen und aktuelle Entwicklungsthemen der Weiterbildung in NRW. Professor Dr. Hannes Schröter vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung schloss einen Impuls über Bildungsungleichheit als Herausforderung an.

„Es kommen immer dieselben“, lautet ein vielzitierter Befund. Die Sozialwissenschaft spricht vom Matthäus-Effekt, wonach gute Vorbildung auch den weiteren Lernerfolg begünstigt, während andere auf der Strecke bleiben. Dass die soziale Herkunft in Deutschland deutlich stärker über Bildungschancen entscheidet als in anderen Ländern, hat jüngst die PISA-Studie bestätigt.

Doch gerade die Weiterbildung trägt wesentlich dazu bei, diesen Zusammenhang zu durchbrechen. Über erfolgreiche Bildungsbiographien zugewanderter Frauen berichtete Malika Ajouaou, Sprachlehrerin und Supervisorin für Fachkräfteintegration. Und Dr. Susanne Stemmler verwies auf die Erfolgsbilanz des vhs-Colleges Aachen: seit 1978 haben dort rund 11.000 Menschen einen Schulabschluss nachgeholt.

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