Mehr als 1,3 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Geringe Literalität beeinflusst nicht nur den Alltag und das Berufsleben, sondern auch die gesellschaftliche und politische Teilhabe: Wie informiere ich mich? Wie beteilige ich mich? Und welche Unterstützungsangebote gibt es?
Im dritten Teil ihrer Reihe „Wie lebt man in Deutschland ohne Schriftsprache?“ spricht die Landeszentrale für politische Bildung NRW mit Sladjena Batinić vom Landesnetzwerk Alphanetz NRW über Alphabetisierung, Grundbildung und niedrigschwellige Bildungsangebote.
Deutlich wird: Grundbildung umfasst weit mehr als Lesen und Schreiben. Auch digitale Kompetenzen, mathematische Grundkenntnisse sowie kulturelle und politische Bildung gehören dazu. In Nordrhein-Westfalen unterstützt ein dichtes träger- und handlungsfeldübergreifendes Netzwerk aus Volkshochschulen, sozialen Trägern, Bildungseinrichtungen und weiteren Partnern Menschen mit Grundbildungsbedarf mit vielfältigen Angeboten dabei, Lesen und Schreiben im Erwachsenenalter zu lernen – etwa durch Lerncafés, offene Lernangebote oder Demokratieworkshops.
Besonders wichtig ist dabei der niedrigschwellige Zugang: „Wenn die Zielgruppe nicht zur VHS kommt, muss die VHS zur Zielgruppe gehen“, so Batinić. Kooperationen im Sozialraum, offene Lernangebote und vertrauensvolle Begleitung helfen dabei, Scham abzubauen und Bildungswege zu eröffnen.
Der Beitrag zeigt eindrucksvoll, wie Grundbildung demokratische Teilhabe stärkt – und warum sie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleibt.