Vergessenes Kapitel der Geschichte
Anlässlich des 81-jährigen Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkrieges wird in der Stadtbücherei Hagen die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ eröffnet. Mitveranstalterin ist auch die vhs Hagen.
Zur Eröffnung referiert der senegalesische Historiker und Aktivist Cheikh Djibril Kane über den umfangreichen Ansatz der Ausstellung, die durch Audiostationen, Bildtafeln, Kurzvideos und Landkarten ein vergessenes Kapitel der Geschichte behandelt.
Die Ausstellung ist eine Ansage gegen eine eurozentrische Geschichtsschreibung, die erzählt, dass am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann. Tatsächlich markiert dieses Datum den Kriegsbeginn in Europa. Bereits ab 1935 führte die faschistische Regierung Mussolinis mit rund 300.000 Soldaten aus Italien, Libyen, Eritrea und Somaliland einen Vernichtungskrieg gegen Äthiopien.
Von den 11 Millionen Soldaten, die Großbritannien als größte Kolonialmacht im Zweiten Weltkrieg einsetzte, kamen fünf Millionen aus den Kolonien. Indien stellte mit 2,5 Millionen Soldaten die größte Kolonialarmee der Geschichte. Eine Million Soldaten unter britischem Kommando kamen aus afrikanischen Ländern.
Unter französischem Kommando dienten eine Million Kolonialsoldaten aus Afrika. „Ohne sie wäre Frankreich damals kaum zur Siegermacht geworden“, so Cheikh Kane.
Afrikaner:innen aus den französischen oder englischen Kolonien, die den Einsatz verweigerten, drohten Geldbußen, körperliche Züchtigung oder Gefängnis.
Darüber hinaus berichtet die Ausstellung über hunderttausende Frauen, die vergewaltigt oder als Zwangsprostituierte verschleppt wurden. In weiteren Bildtexten werden die Themen wie „Judenverfolgung außerhalb Europas“ und „Kollaboration von Politikern aus der sog. Dritten Welt mit den faschistischen Achsenmächten“ aufgeführt.
Die Ausstellung ist bis zum 3. Juni 2026 kostenlos in der Stadtbücherei Hagen (Springe 1, 58095 Hagen) zu sehen.
Eine Veranstaltung von AllerWeltHaus Hagen, Europabüro Hagen, Hagener Heimatbund, Stadtbücherei und VHS Hagen in Kooperation mit FUgE Hamm und Recherche International Köln.
Eintritt frei.
Basis der Ausstellung ist ein historisches Langzeitprojekt: So gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie kaum vor. Dies zu ändern ist war das Ziel des Projekts, mit dem das Rheinische JournalistInnenbüro in Köln im Jahre 1996 begann und das seit 2000 von dem gemeinnützigen Verein Recherche International e.V. getragen wurde.
Auf der Basis von zehnjährigen Recherchen in 30 Ländern entstand 2005 das erste deutschsprachige Buch zum Thema.
Die nun in Hagen gezeigte Wanderausstellung hatte ihre Premiere am 1. September 2009, dem 70. Jahrestag des Kriegsbeginns in Europa. In verschiedenen Fassungen war die Ausstellung bereits an mehr als 70 Orten in Deutschland und in der Schweiz zu sehen.